ASG Baden-Württemberg

 

ASG sieht Gefahr finanzieller Überforderung von GKV-Patienten

Veröffentlicht in Pressemitteilungen

Zur Forderung von Verwaltungsrat und Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, die gesetzlich Krankenversicherten vor finanzieller Überforderung bei zahnmedizinischer Behandlung durch die Überprüfung der Rechnung und Qualität der erbrachten Leistungen besser zu schützen, erklärt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) in der SPD Baden-Württemberg, Klaus Kirschner:

„Die Forderung des Spitzenverbandes der 145 gesetzlichen Krankenkassen geht in die richtige Richtung, aber sie geht nicht weit genug. Zur Zeit erhält der gesetzlich krankenversicherte Patient keine dem Stand der Wissenschaft entsprechende zahnärztliche Versorgung. Es sei denn, er bezahlt sowohl bei der konservativen Versorgung als auch beim Zahnersatz einen Großteil der Behandlung selbst.
Die Regelversorgung sichert nur noch einen Teil der medizinisch notwendigen zahnmedizinischen Behandlung ab. Dies entspricht nicht dem Anspruch nach § 2 Abs. 1 SGB V an eine moderne, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende und den medizinischen Fortschritt berücksichtigende zahnmedizinische Versorgung. Der richtig ins Geld gehende Teil der Behandlung wird privat beim Versicherten liquidiert. Die Regelversorgung - herausnehmbarer Zahnersatz -, entspricht dem Versorgungstandard unserer Großelterngeneration, jedoch nicht mehr dem, der an eine modernen Zahnersatzversorgung zu stellen ist.
Das gilt im Übrigen auch für die Hörgeräteversorgung. Auch hier ist in der Regel der Krankenkassenzuschuss nur die „Eintrittsgebühr“ zum Hörgeräteakustiker.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen ist in der Verantwortung, sich die Forderung nach einer zahnmedizinischen Regelversorgung zu Eigen zu machen, die dem im SGB V § 2 Abs. 1 verankerten Anspruch entspricht. Es muss endlich Schluss sein mit der schleichenden Privatisierung der medizinisch notwendigen und bedarfsgerechten Versorgung. Die Verlagerung des Krankheitsrisikos auf den einzelnen Bürger befriedigt zwar die Ideologen der Gesundheitswirtschaft mit ihren „leuchtenden Euro-Zeichen“ in den Augen, es widerspricht jedoch dem im Sozialgesetzbuch festgelegten Rechtsanspruch auf eine bedarfsgerechte und gleichmäßige, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten. Die Akzeptanz der GKV als Pflichtversicherungssystem hängt entscheidend davon ab, ob dieses gelingt.
Die Forderung des GKV-Spitzenverbandes nach voller Transparenz der Rechnungsstellung und des Schutzes der Versicherten vor finanzieller Überforderung in der zahnmedizinischen Behandlung, kann deshalb nur ein Zwischenschritt sein um dem Anspruch des SGB V zu erfüllen.“